Margarete Freitag

1898 – ?

Damenschneiderin in Heimarbeit, Arbeitersportlerin

Margarete Freitag lebte seit 1932 mit ihrem Mann Emil (1898-?) in Hohenschönhausen und ab 1934 in direkter Nachbarschaft von Minna Kaufmann. Mit ihrem Mann Emil gehörte sie der Widerstandsgruppe um die Kaufmanns an. Nach der Verhaftung ihres Mannes im Januar 1945 hielt sie die Verbindungen zu Kommunist:innen und ehemaligen Arbeitersportfreund:innen aufrecht.

Heinz Freitag, Sohn von Margarete, über seine Jugendweihe 1937

Mein Vater (…) (Emil Freitag, Erg.) traf alle Vorbereitungen. Und er tat das in Abstimmung mit unseren sozialdemokratischen Freunden, der Familie Georg und Minna Kaufmann aus unserem Wohnblock (…), die zwei Jahre später für ihren Sohn, Hans Kaufmann, auch eine Jugendweihefeier durchführten. In unserer 2 1/2 Zimmerwohnung wurde ein Zimmer ausgeräumt. Wir stellten Stühle hinein, in Reihen hintereinander, so wie in einem Kino. Einige liehen uns unsere Nachbarn. Eingeladen wurden Onkel und Tanten, meine Cousine und meine Großmutter. Ich durfte mir einladen: das Kind vom Nachbarn, meinen Schulfreund Klaus sowie Hans und Gertrud Kaufmann, alle aus unserem Block, und Kati Heil aus der Goeckestraße. Dazu kamen noch Heinz Westphal und Kurt Wieczorek, die nicht in unserer Gegend wohnten. Es waren vor allem Kinder aus sozialdemokratischen und kommunistischen Familien. Zu den älteren Gästen gehörten Georg und Minna Kaufmann, Paul und Lucie Wieczorek, Schillers aus der Goeckestraße und Fritz und Margarete Rossignol. Ein Grammophon sorgte für Musik, aber auch unser „Laienorchester“: Klampfe (Georg und Gertrud Kaufmann, die auch Cello spielen konnte), Konzertflöte (Hans Kaufmann) und Mandoline (die spielte ich). (…). Die Rede zur Jugendweihe hielt mein Vater. (…) Meine Mutter kümmerte sich um das Mittagessen und den Nachmittagskaffee. Es gab karge Kost, aber immerhin Würstchen und Obstwein. Nach dem Mittagessen spielten meine Freunde und ich ein paar Stunden auf unserem schönen Hof bei dem steinernen Flusspferd. Dann begann der kulturelle Teil. (…). Gesungen wurde den ganzen Tag, und viele Lieder begleitete unser Orchester.

Aus: Heinz Freitag: Meine Jugendweihe 1937. Heinz Freitag berichtet. In: Komitee der antifaschistischen Widerstandskämpfer Weißensee (Hrsg.): Antifaschistischer Widerstand in Berlin-Weißensee 1933-1945. Erinnerungen – Berichte – Erfahrungen. Berlin 1988. S. 60-65 und S. 111/112.

 

  • BVVdN (Hrsg.): Widerstand in Berlin (digital)
  • Fritz Rosssignol: Unsere Arbeit im Wohnbereich der Strausberger Straße 12 a-k in Hohenschönhausen. In: der illegale Kampf der KPD 1933-1945 in Berlin-Weißensee. Hrsg. vom Komitee der antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR Berlin-Weißensee.
  • Komitee der antifaschistischen Widerstandskämpfer Weißensee (Hrsg.): Antifaschistischer Widerstand in Berlin-Weißensee 1933-1945. Erinnerungen – Berichte – Erfahrungen. Berlin 1988. S. 60-65 und S. 111/112.
  • Heinz Freitag: Meine Jugendweihe 1937. Heinz Freitag berichtet. In: Komitee der antifaschistischen Widerstandskämpfer Weißensee (Hrsg.): Antifaschistischer Widerstand in Berlin-Weißensee 1933-1945. Erinnerungen – Berichte – Erfahrungen. Berlin 1988. S. 60-65 und S. 111/112.

Die Biografie ist entstanden im Projekt „Widerständige Frauen gegen den Nationalsozialismus in Lichtenberg und umkämpfte Erinnerungen im öffentlichen Raum“, ein Projekt des Runden Tisches für Politische Bildung Lichtenberg, angesiedelt bei der Fach- und Netzwerkstelle Licht-Blicke in Trägerschaft der pad gGmbH in Kooperation mit Fritzi Jarmatz (Visuelle Kommunikation & Ideenräume), Trille Schünke-Bettinger (Antifaschistinnen aus Anstand & Netzwerk Frauentouren) und Straßenlärm Berlin e.V., gefördert durch das Bezirksamt Lichtenberg und die Landeskommission Berlin gegen Gewalt.